Was macht Thomas Fabry jetzt?

Jung-Landwirt aus Langenholthausen hat es ins Hessische verschlagen. Endzwanziger hat sich auf Marketing in sozialen Netzwerken verlegt. Thema: Leben auf dem Bauernhof
Balve/Korbach. Thomas Fabry hat im Buch des Lebens ein neues Kapitel aufgeschlagen. Der ehemalige Landwirt aus Langenholthausen bleibt seiner Branche an seinem neuen Wohnort in Korbach, Hessen, treu – aber in neuer Funktion. Als Filmemacher macht er Marketing. Der Erfolg gibt ihm Recht. In- zwischen ackert der „Fabrykant“ (Titel seines Medienunternehmens) mit einem insgesamt vierköpfigen Team.

Mit seiner neuen Tätigkeit hat sich der Endzwanziger gerade wieder ins Gespräch gebracht. Er hat das zurückliegende „Heimatjahr“ in seiner Heimatstadt in viereinhalb Minuten zusammengefasst. Der Film ist bei YouTube zu finden. Die Suchbegriffe lauten „Balve“ und „Heimat“.
Wir erreichen ihn am Dienstag- vormittag in seiner neuen Heimat. Thomas Fabry antwortet kurz, knapp und vor allem hochkonzentriert. Der Medienprofi spricht druckreif. Was treibt ihn um, was treibt ihn an?

„Über ein Video kann man alle Sinne ansprechen, bis auf den Geruch.“
Thomas Fabry macht modernes Marketing für die Landwirtschaft

„Wir sind im deutschsprachigen Raum unterwegs, aber auch in Holland“, erzählt Thomas Fabry. „Der Schwerpunkt sind Film-Produktionen. Was wir aber inzwischen auch viel machen, sind die Social-Media- Auftritte von Unternehmen; die betreuen wir“, berichtet er, „die Firmen haben oft nicht die Zeit oder das Know How, und deshalb kümmern wir uns drum.“ Acht Unter- nehmen aus der Landwirtschaft greifen inzwischen auf das Fachwissen von Thomas Fabry zurück. Aber warum, bitte, sind Auftritte für die Landwirtschaft im Internet heutzutage unverzichtbar?
„Wir haben für die Social-Media- Kanäle die Möglichkeit, die Leute am Alltag teilhaben zu lassen“, sagt Thomas Fabry. „Und: Es war noch nie so einfach, Inhalte zu erstellen, mit den Handys und den sozialen Netzwerken. Wir wollen Vorurteile abbauen. Wir wollen zeigen, was hinter den Lebensmitteln steckt. Es ist wichtig, dass wir das auf eine persönliche Ebene bringen.“

Diese Kunst hat eine ostfriesische Landwirtin namens Maren Osterbuhr (35) inzwischen perfektioniert. Bei Instagram firmiert die „Landfluencerin“, wie sie einmal genannt wurde, als „maren.opunkt“. Neben Fotos und Videos von Kühen und Schweinen, Katzen und Enten präsentiert die junge Bäuerin ihr Leben. 18.200 Follower lieben sie dafür. Ein Vor- bild für heimische Berufskollegen?

Interesse an Ernährung steigt
Das Publikumsinteresse sei da, findet Thomas Fabry. Gerade in der Corona-Zeit habe gesunde Ernährung an Bedeutung gewonnen: „Der Bedarf zu wissen, wo Lebens- mittel herkommen, ist gestiegen.“ Es sei gut, dass so viele Bauern wie Maren Osterbuhr dieses Interesse bedienen. Der Einsatz lohne. „Im Gespräch mit Maren und Kollegen kriegt man mit, dass es zu ihren Beiträgen immer viele Kommentare gibt, aus denen sich schließen lässt, dass sich viele Verbraucher informieren wollen. Ich denke, das ist ja auch das Ziel, das wir erreichen wollen. Wir richten uns nicht nur an Berufskollegen, sondern vor allem auch an Außenstehende.“

Dennoch sei es wichtig zu wissen, wie das Internet funktioniere: „Es reicht nicht, einfach nur Fotos zu posten. Nicht zufällig gibt es bei Instagram auch die Story-Funktion. Das ist das Gleiche wie der Status bei WhatsApp.“ Was bedeutet das?
Es gehe tatsächlich darum, dem Publikum kurze Geschichten zu erzählen, Geschichten, die aufeinander aufbauen – wie bei einer zeitgemäßen TV-Serie. „Mit kurzen bewegten Bildern kann man viel mehr Eindrücke und Gefühle vermitteln als mit Fotos“, weiß Thomas Fabry. „Über ein Video kann man alle Sinne ansprechen, bis auf den Geruch.“ Das Nutzerverhalten im Internet habe sich verändert, die Aufmerksamkeitsspanne sei noch kürzer geworden. Das verändere auch das Marketing: „Wir produzieren heutzutage nicht mehr den einen Image-Film. Wir haben den Ansatz, dass wir alle sechs bis acht Wochen raus fahren, um neue In- halte zu erstellen, die auf Social Media ausgespielt werden.“
Mag sein, dass noch nicht alles davon im Hönnetal angekommen ist. Auffällig aber ist: Inzwischen machen heimische Landwirte so viel Werbung für ihre Produkte bei Facebook wie nie zuvor.

Autor: Jürgen Overkott
Medium: Balver Nachrichten