Die Bundesregierung ist jetzt seit März 2018 im Amt. Nun legt sie die im Koalitionsvertrag verabredete Bestandsaufnahme zur Halbzeit vor. Unter der Rubrik “Verantwortungsvoller Umgang mit unseren Ressourcen” kommen auch Maßnahmen und Ziele zur Landwirtschaft zu Wort. Hier nehme Deutschland als führende Industrienation eine besondere Rolle ein.

Städte mit in der Verantwortung

Um das Klimaschutzziel 2030, mit der Reduzierung der Treibhausgase um mindestens 55 Prozent erreichen zu können, soll die Regierung bereits einige Maßnahmen auf dem Weg gebracht haben. Hier dreht es sich vor allem um den Erhalt von Insektenarten und biologischer Vielfalt. Ein umfassenden Masterplan “Stadtnatur” soll Kommunen unterstützen, “die biologische Vielfalt auch im direkten Wohnumfeld zu erhalten und zu stärken. Stadtbewohner sollen mehr Grün zur Naherholung vor ihrer Haustür finden und Deutschlands Tier-, Insekten- und Pflanzenarten auch in Städten gedeihen können.”

Ende für Glyphosat?

 “Nach einem aktuellen UN-Bericht sind in den nächsten Jahrzehnten bis zu eine Million Arten vom Aussterben bedroht. Um insbesondere das massive Insektensterben zu stoppen, hat die Bundesregierung im August 2019 das “Aktionsprogramm Insektenschutz” beschlossen.” Um die Ziele Artenvielfalt und Insektenschutz zu erreichen, wird es sich bei der Landwirtschaft ziemlich einfach gemacht: “Zum Schutz der Biodiversität wird der Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln ab 2020 deutlich eingeschränkt und gesetzlich Ende 2023 – dem europarechtlich frühestmöglichen Zeitpunkt – beendet.”
Wir finden es schade, dass die Landwirtschaft hier so reduziert wird, denn um die dargestellten Ziele zu erreichen benötigt es einen viel breiteren Ansatz, welcher auch der Berücksichtigung von Bodenerosion, erhöhter Krafststoffaufwand, veränderte Ertragssicherheit und vielen weiteren Faktoren sorge trägt. Die Landwirtschaft ist zudem auch sehr stark im internationalen Handel involviert. Es bringt nichts, hier Vorstöße auf Kosten unserer heimischen Familienbetriebe zu machen, die am Ende nur dazu führen, dass wir Lebensmittel importieren, auf die wir dann keinen Einfluss mehr haben. Viele Landwirte gehen auf die Straße, weil sie mit dem politischen Handeln unzufrieden sind und sich in ihrer Existenz bedroht fühlen. Was in dem Bericht unter “Was wir bereits auf den Weg gebracht haben” aufgeführt wird, sieht für uns eher nach einer großen Hausaufgabe aus.  

Mehr Ökolandbau

Weiter wird die Landwirtschaft zum Thema, wenn es darum geht, die Emissionen zu senken: “Durch weniger Stickstoffüberschüsse, mehr Ökolandbau und weniger Emissionen in der Tierhaltung soll die Landwirtschaft klimafreundlicher werden. Weitere Bausteine sind der Erhalt und die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und Holzverwendung sowie weniger Lebensmittelabfälle.”
Es bleibt zu hoffen, dass die Regierung im Handlungsfeld Landwirtschaft einen gemeinsamen Weg mit der Branche findet und stärker auf moderne Technologien zurückgreift, um die genannten Zielen zu erreichen, anstatt die Uhr um einige Jahrzehnte bis zu einer Landwirtschaft zurückzudrehen, wie sie heute nur noch in vielen Kinderbüchern zu finden ist. Der große Aufruf in dem Bericht zur Digitalisierung: “Wir wollen die Chancen der Digitalisierung für Wirtschaft und Gesellschaft nutzen, unseren Staat modernisieren und die digitale Souveränität der Bürgerinnen und Bürger stärken” sollte in unseren Augen auch im Ressort Landwirtschaft beherzigt werden. Gute Rahmenbedingungen hierfür wären z.B. 5G an jeder Milchkanne – hier ist Politik gefordert.