Für die einen heißt Sommer, Sonne, Sonnenschein am Strand liegen, einen Cocktail schlürfen und in der Sonne baden. Doch Bauernhofkinder wissen, dass die Sommerferienzeit einer Apokalypse gleichkommt.
Als siebzehnjähriges Bauernhofkind will man seine freien Tage genießen, doch schon früh am Morgen, wenn der Frühstückstisch gedeckt ist, kommt der Vater hereingestürmt,
schnappt sich ein Brötchen, klatscht eine Schicht Wurst drauf und kommandiert:
“Großes Kind, ich brauch dich auf dem Feld.“

Und vorbei ist der Traum vom gemütlichen Ferienleben.

„Kann ich wenigstens noch Zähne putzen?“
Keine Antwort, er ist schon wieder mit seinen Gedanken total woanders. Also ziehe ich mich in Lichtgeschwindigkeit um und stehe in Latzhosen, Arbeitsschuhen und Basecap bereit. Schnell, schnell, keine Zeit verlieren, ab auf den Acker.

Jedem Befehl muss unverzüglich Folge geleistet werden und die Ausführung muss perfekt sein. Glaubt mir, eine Militärausbildung ist nichts dagegen.
Plötzlich- KRACH, PIEP, PIEP, PIEP. Eine Meldung, am Mähdrescher ist etwas kaputt.
Sofort erweitert sich mein Arsenal an Schimpfwörtern, die bestimmt nicht im Duden stehen.
Es ist der hoch ansteckende Ackervirus, welcher im Hof alle Maschinen infiziert und bei dem Vater zu bösartigen, allergischen Reaktionen führt. Durch ihn funktionieren die einfachsten Dinge nicht mehr.

Mittlerweile ist es Mittagszeit, das passende Ersatzteil nicht gefunden, mein Magen knurrt.
Ernte ist die beste Diät, ein sofortiger Gewichtsverlust wird garantiert. Papa hat’s zu weit getrieben, er kotzt ab, weil auch noch der Schlepper verreckt ist.
Das nennt man dann Erntebulimie.
Das Ernte-Armageddon findet kein Ende, denn auf einmal fängt es an zu tröpfeln, Papas schlimmster Albtraum ist wahr geworden. Ich versuche ihn zu beruhigen, wir fahren ins professionelle Ersatzeillager, reparieren Schlepper und Mähdrescher.

Der Regen hat aufgehört, alles im grünen Bereich.

Das gedroschene Getreide muss noch verstaut werden, doch die Förderbänder sind zu langsam. Vater verwandelt sich in Pep Guardiola, wild gestikulierend feuert er das Förderband an.
In Überschallgeschwindigkeit nach Hause fahren, Kaffee ist alle.
Der Rest der Familie lässt höchste Vorsicht walten, da die Formel
Regen+Frühe Heimkehr+Kaputte Maschinen=Weltuntergang gilt.
Meine Geschwister haben sich in ihren Zimmern verschanzt und Mama trägt eine kugelsichere Weste. Sanftes Vortasten, erleichtertes Aufatmen, denn Kaffee war schon vorgekocht. Schnell einfüllen und raus. Feierabend, ade. Zum Glück verläuft der Rest wie geschmiert.
Status: Katastrophe abgewandt.

Natürlich liebe ich meinen Vater und die Arbeit auf dem Feld macht mir Spaß, aber manchmal ist es wie verhext.

Dies schrieb ein Bauernhofkind aus Deutschland für Ich liebe Landwirtschaft – Danke für diesen Beitrag